Nachhaltig bitte: Unsere gemeinsame digitale Zukunft.

In den 2000ern nannte man es „Green-IT“. Gemeint war damit der Versuch, die ressourcenintensive Infrastruktur wenigstens in Ansätzen energiesparsamer zu gestalten. Das Thema hat mit zunehmender Digitalisierung immer mehr an Bedeutung und inhaltlicher Breite gewonnen. Mittlerweile lautet die Frage nicht mehr nur, wie große Serverparks auf Ökostrom umgestellt werden können, sondern wie sich der Energie- und Ressourcenhunger vieler Millarden „Devices“ überhaupt mit Nachhaltigkeitszielen vereinbaren lässt. Kommt noch das Verständnis von sozialen Elementen zum Begriff der Nachhaltigkeit hinzu, verbinden sich außerdem ganz andere Fragen mit dem Ziel einer nachhaltigen Gestaltung von Digitalisierung und technologischem Wandel.

Doch andersrum wird auch ein Schuh daraus: Wie kann Digitalisierung bei der Erreichung von Nachhaltigkeitszielen unterstützen? Autonome Elektromobilität oder durch Drohnen und Künstliche Intelligenz reduzierter Düngereinsatz in der Landwirtschaft sind ebenso Beispiele dafür wie die Ermöglichung sozialer Teilhabe durch virtuelle Bibliotheken und Museen.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze fordert eine Nachhaltigkeitsstrategie für Digitalisierung. Sie forciert damit eine Entwicklung, die schon seit einiger Zeit in der Debatte um Technologieentwicklung zu beobachten ist: Nämlich das zunehmende Aufkommen der Frage, wo die Schnittmengen und die Grenzen zwischen Digitalisierung und Nachhaltigkeit liegen. Die Bits & Bäume-Konferenz mit ihrer großen Resonanz vergangenes Jahr zeigt, als wie drängend diese Frage wahrgenommen wird. Auch das Klassentreffen der Szene, die re:publica, behandelt Nachhaltigkeitsaspekte der Digitalisierung zunehmend prominenter und lädt sogar Alexander Gerst als Kronzeugen ein.

Das Gutachten „Unsere gemeinsame digitale Zukunft“ des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung (WBGU) vom März 2019 fordert gar eine entschiedene Trendwende, um Digitalisierung in den Dienst nachhaltiger Entwicklung zu stellen:

Die Digitalisierung geht mit immer weiter steigenden Energie- und Ressourcenverbräuchen sowie globalen Produktions- und Konsummustern einher, die die Ökosysteme noch massiver belasten. Die technischen Innovationsschübe übersetzen sich nicht automatisch in Nachhaltigkeitstransformationen, sondern müssen eng mit Nachhaltigkeitsleitbildern und -politiken gekoppelt werden.“ (Quelle:WBGU-Gutachten)

Svenja Schulzes Appell ist also mehr als nur pflichtschuldige Rezeption eines von ihrem Ministerium finanzierten Gutachtens. Er ist auch Ausdruck eines zunehmenden Unwohlseins in Gesellschaft hinsichtlich der ökologischen und sozialen Folgen des Digitalen Wandels. Es wäre fahrlässig, dieses Unwohlsein zu ignorieren – zukunftsgerichtete Politik muss sich dem konstruktiv annehmen. Heute geht es um mehr als „Green-IT“. Es bedarf allerdings noch viel an Aufklärungsarbeit, gesellschaftlicher Debatte und Weichenstellungen in der Entwicklung und Anwendung von Technologie, um ökonomischen, ökologischen und sozialen Anforderungen gleichermaßen gerecht zu werden. Angesichts der globalen und ungezügelten Dynamik des Technologischen Wandels eine Herkulesaufgabe.

WBGU-Gutachten „Unsere gemeinsame digitale Zukunft“: https://www.wbgu.de/de/publikationen/publikation/unsere-gemeinsame-digitale-zukunft

(Bildnachweis: Thomas Andersson, LifeofPix.com)