Eine gesellschaftliche Vision der Digitalisierung

„Die Digitalisierung ist die tiefgreifendste Veränderung aller Lebensbereiche in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts. Und wieder ist es Technik, die sie auslöst. Was wird sie mit unserem Seelenleben machen? Und was mit unserem Zusammenleben?“

und  stellen ausgehend von diesem Befund die große Frage nach der gesellschaftlichen Vision, die wir mit der Digitalisierung verbinden. Denn, so die beiden, eine solche Vision fehlt. Es gäbe zwar in den einzelnen technologischen Aspekten eine zumeist von Sorgen getriebene Diskussion über Risiken. Aber eine gesellschaftliche Debatte, die der Größe der Entwicklung gerecht würde, fehlt. Dabei gäbe es genug Grund für Optimismus:

„Warum entwerfen wir kein positives Zukunftsszenario? Warum zeigen wir nicht, wie aufgrund der Möglichkeiten der Digitalisierung eine neue Form der Gesellschaft, Wirtschaft und Lebensführung entstehen kann? Warum fallen uns zum ungeheuren Potenzial der Digitalisierung nur so viele Bedenken ein? Warum sehen wir nicht, dass sie eine Gesellschafts- und Wirtschaftsform schaffen könnte, die Menschen von oft unwürdigen Arbeiten befreit? Warum erschließen wir die fantastischen Möglichkeiten digitaler Technologie nur aus dem Blickwinkel des wirtschaftlichen Wettbewerbs, statt als Möglichkeit, Menschsein in ganz neuen Formen zu gestalten.“

Sie sehen in der Digitalisierung die Chance auf Abkehr von einem eigentlich recht jungen Konzept, dass den Wert des Menschen lediglich in Abhängigkeit von seiner Arbeitsleistung gegen Geld bemisst. Die Folge könnte ein neuer Werte-, ein neuer Tugendbegriff sein. Dass diese Diskussion allerdings nicht vom – derzeit dominierenden – Wirtschaftssektor – gestaltet werden kann, liegt auf der Hand. Daher sei die Gestaltung der gesellschaftlichen Diskussion darüber, welchen Beitrag Digitalisierung zum „guten Leben“ leisten kann und wie dieses Leben zukünftig aussehen sollte, zuvorderst politische und damit unser aller Aufgabe:

„Die Zukunft in einer digitalisierten Welt muss mehr sein als nur Effizienzgewinn und Monopolisierung um jeden Preis. (…) Die Digitalisierung wird sich fortsetzen, in rasendem Tempo. Man kann sie nicht aufhalten, nur gestalten. Sie wird unser Leben nicht einfacher machen. Aber sie könnte die Zukunft lebenswert werden lassen. Scheitern oder Gelingen – das ist keine technische, sondern eine politische Frage. Es liegt an uns.“

Daten essen Seele auf:  http://www.zeit.de/2017/05/digitalisierung-revolution-technik-seele-menschen-grundrechte/komplettansicht (Zugriff nach kostenfreier Registrierung)

(Bildnachweis: Jon Tyson/ Unsplash)

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