Erzieht Künstliche Intelligenz unsere Kinder besser als wir?

Was wäre, wenn selbstlernende Algorithmen situationsbezogen das bessere Verhalten im Umgang mit Kindern an den Tag legen, als wir das selbst können? Was wäre, wenn eine solche Künstliche Intelligenz dabei nicht nur auf den Erfahrungsschatz eines einzelnen Menschen, sondern von vielen, sehr vielen Eltern und Kindern zurückgreifen könnte?

Max Biederbeck und Jana Petersen haben dieses Experiment gewagt und sechs Monate mithilfe der App „Muse“ die tägliche Kindererziehung ergänzt. Die App gibt sehr praktische Anweisungen wie z.B. für intelligente Spiele oder stellt Fragen wie die, wie man bei der letzten das Kind betreffenden Entscheidung selbiges einbezogen hat.

Das Fazit ist durchaus optimistisch, die App scheint im alltägliche Gebrauch zu funktionieren:

„Nach ein paar Wochen merke ich, dass mein Sohn und ich uns anders verhalten. Ich mag keine Spiele mehr, in denen es darum geht, alleine gegen die anderen zu gewinnen. Ich frage Matti, was schöner ist: wenn einer sich freut und einer traurig ist – oder wenn beide sich freuen? Plötzlich verstehe ich: Für mich funktioniert die App.“

„Spiele, zeigt die App, sind ein großer Lehrmeister. Vor allem, wenn sie mit einer bestimmten Intention erdacht wurden, wenn sie Resilienz, Gemeinschaft, Integrität stärken. Ich hätte auch selbst auf die Idee mit den Reimen kommen können. Bin ich aber nicht, und ich muss zugeben: Dafür bin ich Muse ein wenig dankbar.“

Die Autoren belassen es aber nicht bei diesem „Testbericht“, sondern umrahmen ihn mit kritischen Anmerkungen von Bildungsexperten, die auch mögliche Gefahren einer digitalisierten Erziehung beschreiben. So etwa Ralph-Müller-Eiselt von der Bertelsmann Stiftung:

„’Tech kann durchaus soziale Unterschiede verstärken‘, sagt der Experte. Kinder aus bildungsnahen Familien hätten oft besseren Zugang zu digitaler Bildung und erhielten von ihren Eltern entsprechende Orientierungshilfe. Bildungsferne Familien dagegen parkten ihre Kinder allein vorm Computer; so blieben die Chancen digitalen Lernens ungenutzt. „Auch deshalb ist Mings Ansatz so interessant“, sagt Müller-Eiselt.“

Es komme also auf die jeweilige Betreuungssituation an und deren optimale Gestaltung, so der Eindruck nach dem Artikel, scheint die Gretchenfrage im Umgang mit Künstlicher Intelligenz und Erziehung zu sein.

Das digitale Kind: Wohlerzogen dank Künstlicher Intelligenz?: https://www.wired.de/collection/tech/muse-app-test-kinder-erziehung-ki-vivienne-ming-portraet

(Bildnachweis: freestocks.org)

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