Wie Virtual Reality unser Leben verändern könnte

Virtual Reality, die „Darstellung und gleichzeitige Wahrnehmung der Wirklichkeit und ihrer physikalischen Eigenschaften in einer in Echtzeit computergenerierten, interaktiven virtuellen Umgebung“ (Wikipedia) ist das nächste große Ding, wenn man den Technik-Auguren Glauben schenken soll. Längst sind digitale Schwergewichte wie Microsoft, Facebook, Google oder Sony in diesen vielversprechenden Markt eingestiegen. Gleichwohl: Auch mehr als ein Jahrzehnt nach dem Aufkommen der ersten VR-Anwendungen steckt die Technik immer noch in den Kinderschuhen.

Johannes Kuhn beschreibt in seinem Artikel für die SZ mögliche zukünftige Anwendungsfelder. Die Teilnahme an Konzerten aus der ersten Reihe zum Beispiel. Digitale Exkursionen von Schulklassen. Oder der Besuch von Urlaubsorten und Sehenswürdigkeiten im 360-Grad-Modus. Natürlich auch – nicht zum ersten Mal – der mögliche Wegfall realer Begegnungen, weil sich Menschen etwa für Besprechungen im virtuellen Raum begegnen können.

Hochinteressant wird der Beitrag von Johannes Kuhn dort, wo er mögliche ethische Probleme von sich daraus ergebender Immersion beschreibt: „Immersion heißt der Fachbegriff, wenn sich in der VR die Realitätswahrnehmung immer stärker in die virtuelle Umgebung verlagert und der Mensch sein physisches Umfeld vergisst.“  Das kann durchaus positive Effekte haben, wie etwa erste vielversprechende Therapieversuche von Phobien im virtuellen, sicheren Raum zeigen. „Andere Projekte versetzen Menschen in ein anderes Geschlecht, eine andere Hautfarbe oder ein anderes Lebensumfeld wie den Körper eines Obdachlosen, um Verständnis für das „Andere“ auf dieser Welt zu wecken.“

Zu Recht wirft Johannes Kuhn allerdings die Frage auf,was passiert, wenn die Technologie für die Enthumanisierung von Menschen in der Realität genutzt wird?“ und verweist dabei darauf, dass das „US-Militär bereits seit Jahren eigene VR-Systeme nutzt, um Soldaten auf Kampfeinsätze vorzubereiten.“ Weitere Fragen für die Gesellschaft ergeben sich nach seiner Einschätzung etwa nach dem Selbstbild von Menschen oder nach Zugangs- und Überwachungsmöglichkeiten in immigrierenden Welten.

Insgesamt ein überzeugender Einblick in die Zukunft dieser Technologie bei gleichzeitig wohltuender – zumindest angedeuteter – kritischer Reflexion der Vor- und Nachteile.

http://www.sueddeutsche.de/digital/vernetzte-welt-die-letzte-luecke-1.2802653

(Bildnachweis: Negative Space, Unsplash)

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